Porto hatten wir eigentlich bisher noch gar nicht auf dem Schirm. Da wir aber relativ spontan nach Madeira fliegen wollten und alle direkten Hinflüge ganz schön teuer waren, schoben wir spontan zwei Tage in Porto ein. So konnten wir günstig am Donnerstagabend mit Ryanair von Frankfurt nach Porto fliegen und dann am Sonntagmorgen mit Easyjet weiter nach Funchal.
Leider wollte das Wetter nicht so richtig mitspielen. Schon beim Anflug gab es stürmisches Wetter, so dass die Landung eine der holprigsten war, die wir je hatten. Selbst für uns als mittlerweile erfahrene „Flieger“ war das schon etwas aufregend, besonders als zwischendrin ein heftiges Luftloch kam, bei dem es sich wirklich für mehrere Sekunden so anfühlte, als befänden wir uns im freien Fall. Viele der anderen Fluggäste waren noch angespannter, rund um uns herum wurde hektisch nach Spucktüten gesucht (die es aus irgendeinem Grund ausgerechnet auf diesem Flug nicht gab) und teilweise sogar schonmal vorsorglich die Schutzhaltung (mit dem Kopf auf der Vorderlehne) angenommen. Auch mir wurde nach kurzer Zeit etwas flau im Magen (mir wird ja auch schon auf dem Kettenkarussel schlecht 😅), so dass ich für den Rest des Anflugs vorsichtshalber die Augen zumachte und dabei darüber nachdachte, ob die Ryanair-Piloten eigentlich gut genug ausgebildet sind für so eine Situation. Katja (die mich auch ständig in irgendwelche Achterbahnen schleppen will) hatte solche Probleme natürlich überhaupt nicht und wunderte sich nur, wie ich bei dem ganzen Geruckel einfach einschlafen kann. Natürlich ging am Ende aber doch alles gut und wir landeten sicher (wenn auch etwas unsanft) in Porto. Obwohl das Klatschen für den Piloten nach der Landung eigentlich etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint, gab es diesmal einen stürmischen Applaus.
In Porto regnete es in Strömen, so dass wir sehr froh waren, dass wir schon vorher über Booking.com ein Taxi gebucht hatten. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hätte es deutlich länger gedauert und wir hätten einige hundert Meter zu Fuß gehen müssen, was bei dem Wetter auf jeden Fall kein Spaß gewesen wäre. So wartete unser Fahrer schon direkt beim Ausgang auf uns und fuhr uns sicher ins „Editory House Ribeira Porto Hotel“. Der Check-In verlief schnell und problemlos, und wir bekamen auch noch ein Glas Portwein zur Begrüßung. Insgesamt hat uns das Hotel sehr gut gefallen, die Mitarbeiter waren sehr freundlich, die Zimmer zwar relativ klein, aber vollkommen ausreichend und gut ausgestattet. Außerdem waren die Zimmer sehr gut schallgedämmt, man hörte so gut wie gar nichts von draußen oder aus den anderen Zimmern. Das Frühstück am nächsten Morgen war dann sogar eines der besten, die wir auf unseren Reisen bisher hatten.
Tag 1
Nach dem sehr guten Frühstück machten wir uns zu Fuß auf, um erst einmal die nähere Umgebung zu erkunden. Der Plan war, vom Hotel aus durch das Ribeira-Viertel in Richtung des Douros (dem großen Fluss der durch Porto fließt) zu laufen, dann an der Uferpromenade entlang Richtung der Brücke Ponte Dom Luis I., über den unteren Teil der Brücke den Fluss zu überqueren und die Gaia-Uferpromenade auf der anderen Seite zu erkunden, dann mit der Seilbahn hoch zum runden Kloster Mosteiro da Serra do Pilar, über den oberen Teil der Ponte Dom Luis I. zur Kathedrale und dem bekannten Bahnhof Estação de São Bento, und dann noch ein bisschen durch Portos Innenstadt zu schlendern.
Ribeira-Viertel und Douro-Uferpromenade
Wir waren nur wenige Meter vom Hotel entfernt, als wir schon die erste Straßenbahn sahen, die uns sehr an die Bahnen in Lissabon erinnerte und natürlich direkt dafür sorgte, dass man Katja den Rest des Tages wieder nur mit Objektiv vor dem Auge sah :-P. Nach kurzer Zeit ist die Straßenbahn aber frecherweise einfach weggefahren, so dass wir relativ schnell unsere Runde fortsetzen konnten.
Das Ribeira-Viertel und besonders die Uferpromenade waren wirklich sehr schön und ziemlich belebt. Im Fluss gab es ziemlich viele Fische, überall flogen Möwen und durch die vielen Cafés und kleinen Geschäfte gab es geschäftiges Treiben. Wir liefen in Richtung Ponte Dom Luis I., einer großen Brücke, die von einem Schüler von Gustave Eiffel entworfen wurde und vom Stil auch ein bisschen an den Eiffelturm erinnert. Auf dem Weg kamen wir noch beim Praça da Ribeira vorbei, einem Platz mit einer Würfelskulptur und einer ziemlich verrückten Johannes-der-Täufer-Statue.
Ponte Dom Luis I.
Die Dom-Luis-Brücke hat unten einen kleinen Fußgängerüberweg und oben eine größere Straße, auf der neben Fußgängern auch die Straßenbahnen fahren. Wir gingen zunächst über den unteren Weg über den Fluss nach Gaia, und dann später über den oberen Weg wieder zurück. Die Brücke war gerade eingerüstet, aber zum Glück gab es „Fenster“ an dem unteren Fußgängerüberweg, von denen man einen tollen Blick auf die bunten Häuser Portos hatte. So konnte Katja ganz viele Fotos machen. Da ein ziemlich kalter Wind auf der Brücke wehte, waren wir anderen ziemlich schnell ziemlich durchgefroren. Leider war von jedem Fenster aus der Blick ein bisschen anders („Oh, hier ist aber schön!“, „Oh, das ist aber noch schöner als da vorne, hier muss ich auch schnell ein paar Fotos machen!“, „Oh, hier ist perfekt, nur noch paar Fotos!“). Trotzdem schafften wir es irgendwann über die Brücke und verließen somit strenggenommen Porto, denn auf der anderen Seite des Flusses fängt schon Vila Nova de Gaia an.
Gaia (Uferpromenade, Seilbahn, Kloster)
Von der Uferpromenade in Gaia aus hatte man ebenfalls einen sehr schönen Blick auf Porto, mit den traditionellen Portweinbooten im Vordergrund. Ansonsten ist uns vor allem das Casa Portuguesa do Pastel de Bacalhau in Erinnerung geblieben, wo Pasteís de Bacalhau (frittierte Kugeln aus Kartoffeln und Kabeljau, mit Schafskäse gefüllt) und Portwein an Touristen verkauft werden. Dafür hätte eigentlich auch ein kleiner Stand gereicht, stattdessen gibt es ein großes Haus mit sehr vielen Bücherregalen und Orgelkonzerten mehrmals täglich. Natürlich mussten wir die Pasteis mal probieren, wir waren aber nicht so überzeugt. Ohne Kabeljau hätten die bestimmt um einiges besser geschmeckt 😊.
Mit der Seilbahn (Teleférico de Gaia) ging es schließlich wieder hoch zum oberen Teil der Ponte Dom Luis I. Leider hatte es mittlerweile ziemlich stark zu regnen angefangen. Trotzdem hatten wir einen ganz guten Rundumblick aus der Gondel, nur Fotografieren war aufgrund der Tropfen auf der Scheibe schwierig. Sehr beeindruckend fanden wir, in welch schlechtem Zustand viele der Häuser waren, über die wir fuhren. Überall sah man eingestürzte Dächer und Wände. Oben angekommen machten wir natürlich erstmal ein paar Fotos, was aber bei dem starken Regen trotz unserer Regenschirme nicht so richtig viel Spaß machte. Also gingen wir schnell weiter zum Jardim do Morro, einem hügeligen Park mit Aussicht aeuf Porto, und von dort weiter zum Mosteiro da Serra do Pilar, einem rundem Kloster ganz oben auf dem Hügel. Hier kam zum Regen auch noch starker Wind hinzu, so dass wir uns hier nicht lange aufhielten, sondern schnell wieder in Richtung Porto über den oberen Teil der Ponte Dom Luis gingen. Auf der Brücke war es natürlich wieder sehr windig und kalt, was aber (ebenso natürlich) Katja nicht vom ausführlichen Fotografieren abgehalten hat 🥶.
Sé Catedral do Porto
Auf der anderen Seite der Brücke erwartete uns fast direkt Portos Kathedrale (Sé Catedral do Porto). Da es immer noch stark regnete, waren wir froh, erst einmal ausführlich die Kathedrale von innen besichtigen zu können. Die eigentliche Kirche fanden wir ganz schön, aber nicht sehr spektakulär. In einem Seitenschiff gibt es einen wichtigen Silberaltar (der aber dringend mal poliert werden müsste, silber war der nicht 😊). Die Aussicht vom Turm fanden wir auch nicht so toll, was aber auch am Regen gelegen haben könnte. Wirklich sehr schön (und überdacht!) war aber der mit Azulejos (blau verzierten Fliesen) gekachelte Kreuzgang.
Bahnhof Estação de São Bente
Irgendwann mussten wir die Kathedrale leider doch wieder verlassen. Der Vorplatz lag mittlerweile zentimetertief unter Wasser, aber unsere Schuhe waren sowieso schon von vorher durchweicht. Also machten wir uns durch den Regen auf zum Bahnhof Estação de São Bento der für seine mit Azulejos geschmückte Bahnhofshalle bekannt. Als wir dort waren, war natürlich die halbe Halle wegen Bauarbeiten eingerüstet. Trotzdem konnten wir die Kachelgemälde größtenteils gut erkennen. Ob es jetzt an den Bauarbeiten lag oder auch nicht, jedenfalls hat uns der Bahnhof nicht so sehr beeindruckt, es ist halt ein Bahnhof mit ein paar schönen Kacheln an der Wand 😊.
Abendessen per Lieferung ins Hotel
Nach dem Bahnhof wollten wir uns eigentlich noch die Livraria Lello und den Torre dos Clerigos angucken. Als wir bei der Bücherei ankamen, stand allerdings eine lange Schlange von Menschen vor dem Eingang, also entschieden wir uns, diese Sehenswürdigkeit auf den nächsten Tag zu verschieben. Auch die Aussicht vom Torre dos Clerigos stellten wir uns im strömenden Regen nicht ganz so schön vor. So gingen wir relativ früh zurück ins Hotel, wo wir unsere komplett durchweichten Klamotten gegen frische trockene tauschen konnten. Danach waren wir dann nicht sehr motiviert, uns nochmal in den Regen rauszuwagen für das Abendessen, so dass wir uns einfach Pizza von Pizza Hut ins Hotel liefern ließen.
Tag 2
Am zweiten Tag war das Wetter zumindest morgens deutlich besser. Wir wollten einen zweiten Anlauf für die Livraria Lello und den Torre dos Clérigos starten. Für den Weg machten wir einen kleinen Umweg durch den „vertikalen Park“ Parque de las Virtudes und vorbei an der Universität und den Doppelkirchen Igreja dos Carmelitas Descalços und Igreja do Carmo mit dem kleinen Casa Escondida.
Vertikaler Park hoch zur Uni etc, zum Torre (Tickets kaufen), dann Bibliothek, dann Torre, dann rüber nach Gaia zur Uferpromenade, Essen und blaue Stunde.
Parque de las Virtudes
Der „vertikale Park“ ist natürlich nicht wirklich vertikal, aber so am Hang gelegen, dass es mehrere Ebenen gibt und dazwischen sehr viele Treppen. Da tatsächlich die Sonne schien, kamen wir ganz schön ins Schwitzen. Aber die Anstrengung lohnte sich auf auf jeden Fall, der Park ist wirklich sehr schön und bietet auch einige gute Aussichtspunkte auf Porto.
Kirchen Igreja dos Carmelitas Descalços und Igreja do Carmo
Nachdem wir uns durch den Park den Berg hochgekämpft hatten, gingen wir an der Universität vorbei Richtung Torre dos Clérigos. Auf dem Weg lagen die beiden Kirchen Igreja dos Carmelitas Descalços und Igreja do Carmo. Wenn man es nicht wüsste, würde man gar nicht erkennen, dass es sich hier nicht um eine, sondern um zwei Kirchen handelt. Getrennt werden die beiden durch das kleine Casa Escondida, ein sehr schmales Häuschen, das gebaut wurde, um ein Gesetz zu umgehen, welches es verbot, eine von Nonnen und eine von Mönchen genutzte Kirche nebeneinander zu bauen.
Torre dos Clérigos
Als wir beim Torre dos Clerigos ankamen, gab es schon eine Schlange vor dem Verkaufsschalter. Auf der Webseite gibt es zwar einen Punkt „Ticketoffice“, aber man scheint dort keine Tickets kaufen zu können, höchstens eine Anfrage für größere Gruppen stellen. Wir mussten uns also in die Schlange stellen. Es ging dann aber doch relativ schnell, allerdings waren die Tickets schon bis mittags ausverkauft, so dass wir uns Tickets kauften und dann erstmal in Richtung Livraria Lello gingen. Als wir am Mittag wiederkamen, kamen wir dann aber auch schnell rein und konnten uns an den Aufstieg machen. Da der Torre des Clérigos der höchste Kirchturm Portugals ist und wir schon ganz schön erschöpft vom vertikalen Park waren, machten wir uns auf einen schlimmen Aufstieg gefasst. So waren wir positiv überrascht, als wir nach deutlich weniger Stufen als gedacht plötzlich schon oben waren. Die Aussicht war ganz nett.
Livraria Lello
Die Livraria Lello ist angeblich eine der schönsten Buchhandlungen der Welt. Außerdem soll sie als Inspiration für Harry Potter gedient haben, da J. K. Rowling einige Zeit in Porto lebte. Auf jeden Fall ist sie mittlerweile eine der Hauptsehenswürdigkeiten Portos, was wir auch bei unserem ersten Besuch gestern direkt an der langen Schlange am Eingang sahen. Leider war die Schlange heute sogar noch länger, wir hätten geschätzt mindestens eine Stunde warten müssen, eher länger. Das wollten wir uns für eine überfüllte Buchhandlung dann doch nicht antun, deswegen setzten wir uns gemütlich in das Eiscafé nebenan und schickten nur unsere Fotografin mit einem Expressticket los.
Sehenswürdigkeiten in der Fußgängerzone
Nach dem Besuch des Torre do Clérigo machten wir uns erneut auf in Richtung Gaia-Uferpromenade, da wir dort Abendessen und nochmal Fotos von Portos „Skyline“ bei besserem Wetter machen. Auf dem Weg kamen wir noch
Igreja de Santo Ildefonso